Bilderdienste im Web nicht vorschnell reglementieren
"Wir brauchen keine Einzelfallgesetze zu jedem neuen Internet-Dienst, sondern eine strategische Netzpolitik", sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. "Im Vordergrund muss stehen, wie wir die Chancen des technischen Fortschritts gesellschaftlich und wirtschaftlich bestmöglich nutzen. Bedenken müssen diskutiert werden, aber wir dürfen das Internet und seine Möglichkeiten nicht vordergründig als Risiko betrachten. Deutschland darf sich nicht durch nationale Gesetze vom technischen Fortschritt abkoppeln."
Scheer begrüßt den Ansatz von de Maizière, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und vor einer staatlichen Regulierung zu klären, welcher konkrete Bedarf an neuen Gesetzen überhaupt besteht. "Derzeit ist völlig offen, welcher zusätzliche Nutzen mit einem entsprechenden Gesetz erreicht werden soll. Google macht jetzt schon Gesichter und Kfz-Kennzeichen unkenntlich, auf Antrag auch ganze Häuser", sagte Scheer mit Blick auf die Datenschutz-Debatte rund um Google Street View. Demgegenüber räumen staatliche Bilderdienste aus den Bereichen der Geodäsie oder von Fremdenverkehrsämtern entsprechende Möglichkeiten nicht ein - und dies ist seitens des Gesetzgebers auch nicht vorgesehen.
Als besonders problematisch erachtet BITKOM auch, dass bei Löschanträgen einzelner Mieter ganze Häuser dauerhaft aus dem Bilderdienst entfernt werden. Die ursprünglichen Bilddateien sollen komplett gelöscht werden, so dass selbst nach Auszug eines Mieters die verbliebenen Hausbewohner und der Vermieter keine Möglichkeit mehr haben, das Gebäude in dem Bilderdienst wieder sichtbar zu machen. Der Bundesrat hatte im Juli einen Gesetzentwurf vorgelegt, der dies vorsieht. Scheer: "An dem Gesetzentwurf ist einiges unausgegoren und die Verhältnismäßigkeit so mancher Maßnahme sollte nochmals überprüft werden."
Google hat mit Kamerawagen die Straßen fotografiert und will noch in diesem Jahr Panorama-Bilder der 20 größten deutschen Städte im Web zeigen. In anderen Ländern ist der Dienst bereits verfügbar, etwa den USA, Frankreich, Italien, Spanien, Australien, Neuseeland und Japan. Scheer: "Es ist kaum denkbar, dass führende Politiker dieser Länder eine regelrechte Bewegung gegen diesen neuen Service initiieren. Deutschland geht hier auch international gesehen einen Sonderweg." Street View ist ein Zusatzdienst zu Googles Kartendienst "Google Maps".
Scheer betont: "Die Entscheidung der Bürger ist zu respektieren, wenn jemand sein Eigentum oder seine Persönlichkeit schützen möchte und deshalb sein Haus oder seine Wohnung in dem Panorama-Bilderdienst nicht veröffentlicht haben möchte. Es ist dabei noch zu klären, ob Gebäudefassaden als personenbezogene Daten zu bewerten sind. Eine zu strikte Regulierung kann auch die Pressefreiheit gefährden, wenn beispielsweise das Fernsehen Straßenansichten nicht mehr filmen dürfte." Scheer weiter: "Das Thema ist sehr komplex. Die unterschiedlichen Interessen von Mietern, Hauseigentümern, Medien und Behörden müssen in Einklang gebracht werden. Es ist unmöglich, dem mit einem legislativen Schnellschuss gerecht zu werden."
Google Street View und ähnliche Dienste bieten eine Reihe von Vorteilen. "Man kann sich damit die Suche nach einer neuen Wohnung sehr viel leichter machen, seinen Urlaub besser planen, sich nach einem netten Restaurant umschauen", sagte Scheer. Auch Navigationssysteme greifen künftig auf Bilder zurück, wie sie von Street View und ähnlichen Diensten angeboten werden. "Wenn man in einer unbekannten Stadt unterwegs ist, macht man einfach ein Bild von der Straßensituation und das Handy sagt einem, wo man sich befindet. Es entsteht ein neues Feld ortsbezogener Dienstleistungen für Verbraucher und Unternehmen. Solche Dienste stoßen bei vielen Kunden auf großes Interesse."
Scheer: "Netzpolitik ist auch Wirtschaftspolitik. Wir sollten unsere Standortpolitik so auf Vordermann bringen, dass einer der nächsten Googles aus Deutschland kommt. So können wir das Internet erfolgreicher gestalten als durch hektische Versuche nationaler Gesetzgebung."
Quelle: Pressemeldung BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft,Telekommunikation und neue Medien e.V.
Dieser Beitrag wurde bisher 88 mal gelesen.
(Rang 582 auf mobile-tomorrow.de)
Weitere News
TV und Internet laufen oft parallel
21.11.2011 | Jeder zweite surft nebenher. Fernsehbildschirm an der Wand und Notebook auf den Knien
weiter in TV und Internet laufen oft parallel ...Das Internet als Demokratie-Verstärker
07.11.2011 | Zwei Drittel sehen positiven Effekt für "mehr Demokratie" Fast jeder Zweite sieht im Web Chancen zur...
weiter in Das Internet als ...Wenn der Weihnachtsmann durchs Breitbandkabel kommt: Ergebnisse Yahoo!-Weihnachtsstudie 2011
03.11.2011 | Weihnachts-Shopping im Web: große Auswahl, ohne Zeitdruck und Stress stöbern, direkte Lieferung nach Haus
weiter in Wenn der Weihnachtsmann durchs ...ASUS VG278H: Monitor-Bolide für Multimedia- und Spielevergnügen in 3D
17.10.2011 | 27 Zöller mit 120 Hertz Technologie und NVIDIA" 3D Vision™ 2 Shutter Brille
weiter in ASUS VG278H: Monitor-Bolide für ...Nokia N9 MeeGo Smartphone bei Orange zum Vorbestellen
06.10.2011 | Neues Nokia Flagship mit Swipe-Menüführung. Beeindruckendes Design, formatfüllender Touchscreen, 8 MP-Kamera,...
weiter in Nokia N9 MeeGo Smartphone bei ...Aktuelles
Fujitsu IT- Mittelstandsindex Oktober 2011: Verhaltenes Wachstum
Fujitsu und techconsult veröffentlichen IT-Mittelstandsindex...
weiter ...Neuigkeiten
Regensburg in der Hosentasche - iPhone- App mit SixCMS
Nach Regensburg kommt man auf verschiedene Arten: entweder...
weiter ...Web- Shopping zum Fest: Jeder Dritte kauft Weihnachtsgeschenke online
Neuer Spitzenwert: 24 Millionen machen nutzen Web-Shopping...
weiter ...Weitere Themen
Geschäftsklima in Hightech- Branche weiterhin gut
Zwei Drittel der Anbieter erwarten Umsatzplus für 2012...
weiter ...Drahtlose Mikrofonlagen - Billigkeitsentschädigung gestartet
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat...
weiter ...Archiv
TV und Internet laufen oft parallel
Jeder zweite surft nebenher. Fernsehbildschirm an der Wand...
weiter ...Das Internet als Demokratie- Verstärker
Zwei Drittel sehen positiven Effekt für "mehr Demokratie"...
weiter ...Verschiedenes
Google+ etabliert sich unter den sozialen Online- Netzwerken
Facebook liegt auf Platz eins der beliebtesten Communitys...
weiter ...Telekom baut Browsergames- Angebot aus: Kooperation mit Start- up Players Rock Entertainment
Optimierung und Markteinführung neuer Browsergames im Fokus...
weiter ...
